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Donnerstag, 23. Oktober 2014

A Streetcar Named Gillian

Es ist zwar fast 2 Monate her, aber trotzdem kann ich ja noch kurz über unseren Ausflug in die illustre Theaterwelt Londons berichten. Wir haben nämlich ein Stück gesehen! Ein richtig bekanntes sogar! Und zwar "A Streetcar Named Desire" (Endstation Sehnsucht) von Tennessee Williams – ein Dramaklassiker aus dem Jahr 1947. Worum es geht, lasse ich mal von der Wikipedia erzählen, schließlich ist es schon spät:
Das Stück erzählt die Geschichte der Blanche DuBois, einer alternden Schönheit aus den US-amerikanischen Südstaaten. Blanche erlebt die Auflösung ihrer Familie und die Versteigerung des einstmals stolzen Familienbesitzes Belle Rêve (fr. „Schöner Traum“). Als sie auch noch ihre Arbeit als Lehrerin verliert, besucht sie verzweifelt ihre Schwester Stella, die in New Orleans lebt. Stella ist ihrem Ehemann, dem Arbeiter Stanley Kowalski, der als Sohn polnischer Einwanderer von Blanche unverhohlen verachtet wird, sexuell verfallen. Blanches kultiviertes, aber leicht affektiertes Verhalten und die Betonung ihrer vornehmen Herkunft wirken wie ein rotes Tuch auf Kowalski. Es entstehen in den beengten Wohnverhältnissen schnell Spannungen. Schließlich kommt es vor allem wegen Blanches Missverhältnis zwischen Realität und Illusion zur Katastrophe.

Gespielt wurde es im Young Vic Theatre in der Nähe der Waterloo Station. Star des Stücks und Grund des Theaterbesuchs war Gillian Anderson ("Akte X"), die die Blanche DuBois spielte. Vanessa Kirby spielte ihre jüngere Schwester Stella, während Ben Foster den Stanley gab.

Der Abend (bzw. das Wochenende) war gleichzeitig ein kleines Miniklassentreffen, denn der größte Gillian-Anderson-Fan Deutschlands ist mit mir in Dessau zur Schule gegangen und nutzte die Gelegenheit, uns mal zu besuchen. Danke noch mal an dieser Stelle! Aus diesem Grund mussten wir uns auch nicht um die Tickets kümmern, das alleine war nämlich schon ein Abenteuer. Das Stück lief nur vom 23. Juli bis 19. September und als der Kartenvorverkauf eines schönen Tages im April losging, brachen sämtliche Server des Young Vic zusammen, so dass die Buchungswebsite auf dem letzten Loch pfiff und dann auch zwischendurch das Zeitliche segnete, als alle Gillian-Anderson-Fans der Welt sich innerhalb von 30 Sekunden nach Eröffnung des Vorverkaufs eine Theaterkarte sichern wollten. Mit viel Blut, Schweiß und Tränen (und vor allem viiiiel Zeit und Nerven für den Seitenaufbau der Buchungssite) haben wir dann aber noch 4 Karten für den Wunschtermin bekommen. Tatsächlich war es übrigens das am schnellsten ausverkaufte Stück in der Geschichte des Theaters!

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich hier bisher noch nicht oft im Theater war. Aber selbst wenn, die rotierende Bühne im Young Vic ist wirklich was ganz Besonderes. Ja, richtig gelesen, die Bühne drehte sich langsam während des ganzen Stücks, so dass man ständig eine andere Perspektive hatte.

Außerdem saßen wir (wie man sehen kann) sehr nah dran in der ersten Reihe. Zum Teil kamen uns die Darsteller so nahe, dass man sie anfassen konnte – was wir natürlich ganz brav haben sein lassen.

Und was soll ich sagen: Es war echt richtig gut! Die Schauspieler waren klasse, allen voran natürlich Gillian Anderson, die als nervliches Wrack mit Südstaaten-Drawl eine eindrucksvolle Vorstellung gab. Die Umsetzung war ebenfalls gut gemacht, sehr lebensnah und mit einigen innovativen Bühnenbild-Ideen, soweit ich das als Laie beurteilen kann. Die Bühne fing sich z. B. erst an zu drehen, als sich Blanche den ersten Drink (von vielen) einhilft. Die minimalistische Wohnung, die als Kulisse diente, war z. T. voll funktionsfähig; soll heißen, im Bad lief öfter mal das Wasser und Türen lassen sich auch prima knallen, wenn die Wände fehlen.

Die Kritiker waren sich einig und vergaben für das Stück 4 oder sogar 5 von 5 Sternen. Das deckt sich auch mit vorherigen Theaterstücken, in denen Gillian Anderson mitspielte, darunter 2009 "A Doll's House" (Nora oder Ein Puppenheim) von Henrik Ibsen.

Hier noch einige (offizielle) Bilder des Stücks:


Danach war der Abend allerdings noch nicht zu Ende. Nach der Vorstellung ist nämlich vor der Vorstellung in Fan-Kreisen – ein Autogramm musste noch her! Also warteten wir am Ausgang ungefähr 1 Stunde, bis Frau Anderson frisch geduscht und umgezogen hinaustrat, Unterschriften verteilte und kurz Fotos machen ließ. Hab ich also auch mal einen Star aus nächster Nähe gesehen, hach!
Leider sind alle Bilder verwackelt, denn wir durften den Blitz nicht benutzen.

Samstag, 4. Oktober 2014

Pluckley & Umland

Letzten Sonntag waren wir endlich mal wieder so richtig wandern. Zwar sehr spontan und auch nur eine kleine Runde (12 km), aber immerhin! Es ging nach Pluckley, einen kleinen Ort in Kent.


Macht mal die Augen zu und stellt euch Folgendes vor: 
Vogelgezwitscher ... die Luft ist warm und schwer ... die Sonne kitzelt auf der Nase ... ein Doppeldecker knattert träge durch den Himmel ... Grillen zirpen ... der säuerlich-würzige Geruch von Kuhstall liegt in der Luft ... Wind säuselt mal sanft, mal aufbrausend durch die Blätter der Bäume ... ab und zu weht der Duft von Heu und reifen Äpfeln herüber ... irgendwo in der Ferne wiehert ein Pferd ... 

Ihr ahnt es vielleicht schon, mir hat es gut gefallen, denn es war wider Erwarten ein richtig herrlicher Spätsommertag. Es war sogar fast zu warm zum Wandern - und das Ende September!


Die Wanderung führte vorbei an schönen Landhäusern... 

... über abgeerntete Felder ...

... und durch eine große Obstplantage mit Apfel- und Pflaumenbäumen. 

Hmmm, die waren so lecker!! Und überhaupt nix dran! Es tat mir in der Seele weh, die ganzen Falläpfel zu sehen. Ich hoffe, die wurden am nächsten Tag noch aufgesammelt, das wären ideale Saftäpfel gewesen.

Kent wird übrigens als "Garten Englands" bezeichnet, weil dort so viel Obst, Gemüse und Getreide angebaut wird.
Pluckley ist ein hübsches kleines Dorf, aber angeblich spukt es dort. Zwölf Geister gibt es wohl, womit Pluckley Rekordhalter im ganzen Land ist (1989 schafften sie es damit sogar in Guiness-Buch der Rekorde). Leider haben wir keine Gespenster gesehen (auch nicht an der Kirche unten), aber bestimmt kommen sie auch erst nachts raus.


Dafür haben wir in einer der Reitschulen ein Geisterpferd gesehen:

Eine architektonische Besonderheit, die man in Kent häufig sieht, sind die sogenannten Oast Houses. Die sehen ganz putzig aus mit einem kleinen schiefen Türmchen. Im Dach des Türmchens wurde früher Hopfen getrocknet, während unten ein Feuerchen brannte. Oben in der schiefen Dachspitze ist ein Lüftungsloch, das sich je nach Windrichtung drehen lässt. Auf Deutsch nennt man so was anscheinend Darre. Heute sind es eigentlich alles Wohnhäuser, aber trotzdem immer noch ein Blickfang.

So ging es dann unter der brennenden Sonne weiter über Wiesen und Felder.
Das ist übrigens einer der typischen Zauntritte; ein(e) Stile

Die schöne Runde schlossen wir dann zünftig in einem Pub neben dem Bahnhof von Pluckley ab. Wir saßen draußen im "Biergarten"; leider schloss das Pub kurz nachdem wir ankamen, wir durften aber noch weiter draußen sitzen bleiben und die Sonne genießen.

Der Bahnhof von Pluckley stammt übrigens aus dem Jahr 1842 und ist damit einer der ältesten Bahnhöfe der Welt. Das weiße Häuschen links ist seitdem fast unverändert geblieben.

Montag, 22. September 2014

Queen Elizabeth Olympic Park

Diesen Artikel hatte ich eigentlich vor Wochen schon veröffentlicht, aber aus unerfindlichen Gründen wurde er gelöscht und ich musste alles noch mal neu zusammenfrickeln. Wer den Artikel schon kennt, erfährt nichts Neues.



Es ist nun über zwei Jahre her, dass mit diesem Countdown (ich hoffe, die GEMA lässt ihn auch in Deutschland zeigen) die Olympischen Spiele 2012 hier in London eröffnet wurden. Da kriege ich gleich Gänsehaut! Ich habe die spektakuläre Eröffnungsfeier damals in unserem Büro gesehen, dort wurde sie auf zwei Leinwänden übertragen, außerdem konnten wir von der Dachterrasse von Weitem das Feuerwerk sehen und bevor es losging drehten die Red Arrows (Kunstflugteam der Royal Air Force) noch eine Runde über unsere Köpfe hinweg.



Feuerwerk über dem Olympiastadion zur Eröffnungsfeier; von meiner Bürodachterrasse aus gesehen

Neulich haben wir die Eröffnungs- und Abschlusszeremonien noch mal auf DVD angesehen und es ist wirklich toll, mit wie viel Liebe zum Detail Danny Boyle diese Show gestaltet hat (selbiges gilt natürlich auch für die Regisseure der Schlussfeier) – man entdeckt jedes Mal was Neues.

Heute, zwei Jahre später, ist das ehemalige Olympiagelände in Stratford zum Queen Elizabeth Olympic Park geworden. Etliche Wettkampfstätten wurden ab- oder zurückgebaut und aus dem Gelände wurde ein großer Park, der heute kostenlos zugänglich ist. Ein Besuch bei gutem Wetter lohnt sich!




Lange vor Olympia war das Gelände eine Industriebrache und Stratford ein zwielichtiger Stadtteil im armen Osten Londons. Als die Stadt 2005 den Zuschlag für die Sommerspiele 2012 erhielt, ging es direkt los mit den Bauarbeiten und seitdem wurde die gesamte Gegend auf Hochglanz poliert. Es entstanden neue Anbindungen an das Zentrum, ein riesiges Westfield-Einkaufszentrum (gemessen an der Gesamtfläche das größte Shoppingcenter Europas) und natürlich der Olympiapark samt Athletenwohnungen, die heute reguläre Wohnungen sind.

Das Westfield vom Queen Elizabeth Olympic Park aus gesehen




Im Sommer 2013 wurde der Großteil des Parks samt seiner Spielstätten wiedereröffnet. Neben schönen, weitläufigen Grünanlagen, die von akkurat gepflegt bis naturnah wild reichen, gibt es mehrere tolle Spielplätze, Cafés und innovative Sitzmöglichkeiten, was den Park zu einem herrlichen Ausflugsziel für Familien macht. Wer lieber sportlich aktiv werden möchte, hat die Qual der Wahl:
  • In der Copper Box Arena fanden die Handball-, Fecht- (im Rahmen des modernen Fünfkampfs) und Goalballturniere statt. Heute spielt man in der Mehrzweckhalle Basketball, Rollstuhlbasketball, Handball, Volleyball, Netball und Badminton, darüber hinaus dient sie als Bühne für Fechten und Gymnastik.


einmal neugierig die Nase an die Scheibe gehalten

  • Das London Aquatics Centre wurde von der Stararchitektin Zaha Hadid entworfen und ist dank seiner Wellenform eines der markantesten Gebäude der Londoner Sommerspiele. Damals sah die Schwimmhalle aus wie ein Wal, doch die flügelartigen Tribünen wurden abgebaut, so dass jetzt nur noch eine kompakte Welle steht. Es beherbergt ein 50-Meter-Becken, ein Sprungbecken und ein Fitnesscenter. Das Aquatics Centre ist eine der modernsten Schwimmhallen der Welt, dient aber heute als ganz normale Stadtschwimmhalle (zu ganz normalen Eintrittspreisen!).

Von dort kann man den Schwimmern zuschauen

  • Im Lee Valley Velo Park dreht sich alles im zwei Räder und die "Zwei-Scheiben-Kniezündung", wie es so schön heißt. Draußen gibt es 8 Kilometer Mountainbikestrecken, eine 1,6 Kilometer lange Rennradstrecke und eine BMX-Strecke (von der besseren Hälfte bereits getestet und für gut befunden). Die Halle selbst ist ein großes Bahnradvelodrom, das uns schon öfter als Pausenraum diente.

BMX-Strecke
Velodrom in Aktion
Velodrom, Stillleben

  • Das Lee Valley Hockey and Tennis Centre wurde erst diesen Sommer eröffnet und umfasst zwei Hockeyfelder, vier Indoor-Tennisplätze und sechs Außentennisplätze.
  • Das Olympiastadion (Stadium) ist immer noch im Bau, es wird erst 2016 wieder eröffnet und dann von West Ham United als Heimstadion genutzt.



Alle Sportstätten sind der Öffentlichkeit zugänglich und können von Freizeitsportlern genutzt werden. Weiterhin finden große internationale und nationale Wettkämpfe sowie Konzerte und Festivals statt. Im Park kann man außerdem Bootsfahrten machen und auf den ulkigen, 114,50 Meter hohen ArcelorMittal Orbit steigen (bzw. fahren). Das ist keine Achterbahn, sondern eine Aussichtsplattform und gleichzeitig das höchste Kunstwerk im Vereinigten Königreich, das öffentlich zugänglich ist. Den Ausblick auf den Olympiapark lassen sie sich allerdings fürstlich bezahlen.
ArcelorMittal Orbit

Der Park ist wirklich schön und weitläufig und es macht Spaß, in die ganzen Sporthallen reinzuschauen. In viele kann man einfach reingehen und sich mit einer Cola vom Café in die Zuschauerränge setzen und den Sportlern zugucken. Im ganzen Park sind außerdem nette Erinnerungen an die Olympischen Spiele versteckt, seien es interessante Zahlen und Fakten auf den Wegen, Trimm-dich-Geräte oder Lautsprecher mit Kommentaren und Eindrücken der Spiele.


Bitte kurbeln und zuhören

Vor allem für Kinder ist der Park ein Riesenspaß, weil es viele schöne Spielplätze zum Toben und Rummoddern gibt.





Früh übt sich!

Als wir das dritte Mal im Park waren, fand gerade der National Paralympic Day statt, ein großes Fest rund um den Behindertensport. Es wurden viele Behindertensportarten vorgeführt und einige Sportstars der Paralympics haben Interviews gegeben und ihre Medaillen gezeigt.

BSL*-Kunst zum National Paralympic Day (* BSL = British Sign Language, die britische Gebärdensprache)

Hier noch einige Impressionen des Parks: